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Senior*innenpolitik

Hohe Lebenserwartung ist ein großer und erstrebenswerter zivilisatorischer Wert. Um den Chancen der gewonnenen Jahre gerecht zu werden, kommt es auch darauf an, die räumlichen Rahmenbedingungen für eine älter werdende Bevölkerung bedarfsgerecht auszugestalten und die Alten zu motivieren, sich aktiv an der Gestaltung ihres räumlichen Umfeldes zu beteiligen. Dies betrifft alle Ebenen: die Region, die Gemeinde, das Viertel, das Wohnumfeld und die Wohnung. Dabei geht es nicht nur darum, ältere Menschen in die Gestaltung ihres Lebensraumes einzubeziehen, sondern auch darum, ihre Kenntnisse zum Nutzen des Gemeinwesens zu aktivieren. Die kommunale Ebene bietet dazu eine Fülle von Ansätzen und Erfahrungen.

Die Senior*innenpolitik, die wir wollen, ist:

  • bedarfsgerecht
  • entdiskriminierend
  • solidarisch

Worauf wir dabei setzen?

  • die Gemeinde für alle Generationen
  • die Stadt der kurzen Wege
  • Wahlfreiheit

Was wir dafür brauchen sind demografische Konzepte, die

  • der Trennung der Generationen entgegenwirken,
  • den Senior*innen die Teilhabe am sozialen und wirtschaftlichen Leben weiter ermöglichen,
  • eine eigenständige Lebensgestaltung bis ins hohe Alter gewährleisten.

Was das bringt?

  • mehr intergenerationeller Austausch
  • mehr Lebensqualität im Alter
  • Alternssensibilität in allen Bevölkerungsgruppen

Was muss dafür getan werden?

  • Nahversorgungsangebote müssen flächendeckend niedrigschwellig und bedarfsgerecht sein.
  • Mobilität muss fahrscheinlos und barrierefrei nutzbar gemacht werden.
  • Servicebrücken zwischen Jugend und Alter müssen auf kommunaler Ebene institutionalisiert werden.
  • Das Lebensumfeld muss bedarfsgerecht gestaltet werden.
  • Wohnprojekte für Senior*innen-Wohngemeinschaften müssen gefördert werden.
  • Mehrgenerationenhäuser müssen gefördert werden.

Die Kommunen benötigen insgesamt mehr Sensibilität für die Anforderungen, die das Altern mit sich bringt. Eine solche Alternssensibilität wird zunehmend zu einem Faktor, der Attraktivität und Zukunftschancen von Kommunen mitbestimmt.

Gutes Leben und Gesundheit im Alter für alle Senior*innen 

Die Altersarmut nimmt auch in NRW in einem erschreckenden Ausmaß zu. Jede zweite Rente in Deutschland liegt unter 900 € vor Steuern nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung, wie eine kleine Anfrage von DIE LINKE ergab. Nach wie vor fehlt bei der Mütterrente noch ein halber Rentenpunkt pro Kind für Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Der durchschnittliche Zahlbetrag der Altersrenten nach mindestens 35 Versicherungsjahren beträgt in NRW 1.467 € für Männer und 1.009 € für Frauen abzüglich der Kranken- und Pflegeversicherung. Damit hat NRW die größte Differenz aller Bundesländer bei den Bruttorenten zwischen Männern und Frauen. Die Unterschiede sind durch zahlreiche Gründe erklärbar wie z. B. Kindererziehungszeiten, fehlende Kitaplätze, Pflege von Angehörigen, Teilzeit, geringere Löhne u. v. m. Offenbar ist das Bild vom Mann als Haupternährer der Familie noch immer wirksam.

Deutschland ist weltweit Schlusslicht in der Alterssicherung von Geringverdienenden. Umso wichtiger ist es, für einen politischen Kurswechsel zu streiten und vor Ort Alternativen aufzuzeigen und umzusetzen. Die Lebenserwartung vieler Menschen steigt zwar, wird aber nach wie vor von sozialen Unterschieden geprägt. Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Beschäftigungsverhältnissen haben in Deutschland eine geringere Lebenserwartung als sozial besser gestellte Bevölkerungsgruppen. Hinzu kommt, dass die Armutsgefährdung von Menschen über 65 Jahren zunimmt und aktuell bei 17,7 % liegt. Die wachsende Zahl der von Armut betroffenen Menschen, insbesondere in den Ballungszentren, kann von den überwiegend unterfinanzierten Kommunen nicht bewältigt werden. Statt Serviceleistungen auszubauen, bleiben Stellen unbesetzt. Ehrenamtliches Engagement kann diese Lücke nur sehr unzureichend schließen, um so ein „gutes Leben“ im Alter sicherzustellen. Wer eine gute städtische Infrastruktur für alle Menschen haben will, der muss sie auch finanzieren können und wollen. Die Städte und Gemeinden für diese Zwecke mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszurüsten, sollte zu den vordringlichsten sozialen Aufgaben des Bundes gehören.

In der alternden Bevölkerung die gesellschaftlich-demografische Dynamik nutzen   

„Steigende Lebenserwartung bedeutet mehr Krankheit und Pflege?“ Falsch! Die Gesundheit der Bevölkerung kann nicht nur anhand der Lebenserwartung beurteilt werden. Gesundheitliche Einschränkungen und chronische Behinderungen im Alter haben im Vergleich zu früheren Jahren abgenommen. Ein Schlaganfall oder Herzinfarkt wird dank des medizinischen Fortschritts heute häufiger überlebt. Beeinträchtigungen durch diese Erkrankungen werden seltener, und sie können mit modernen technischen und medizinischen Hilfsmitteln besser ertragen werden. Insgesamt hat das Risiko, pflegebedürftig zu werden, in Deutschland abgenommen und wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter abnehmen, entgegen anderslautender Behauptungen.

Das Ziel muss sein, das Verhältnis der Generationen produktiv, gerecht und solidarisch zu gestalten, der Trennung der Generationen entgegenzuwirken und eine Situation herbeizuführen, in der die Angehörigen unterschiedlicher Altersgruppen den unterschiedlichen Stärken der Lebensphasen entsprechende Beiträge zum gesellschaftlichen Leben einbringen und ihr Leben dementsprechend gestalten können. Dazu bedarf es einer entsprechend ausgerichteten Arbeits-, Beschäftigungs- und Gesundheitspolitik. So kann die demografische Alterung zur gesellschaftlichen Dynamik, der notwendigen Erneuerung beitragen. Das gelingt, wenn die Betroffenen für sich selbst sprechen können.

Grundsätze der nachhaltigen Regional- und Stadtentwicklung sollen nicht die spezifisch „altersgerechte“, sondern die „alterssensible“ Stadt und Region als Leitziel der Stadtentwicklung sein: die Gemeinde für alle Generationen. Dazu zählen die „Stadt der kurzen Wege“ (Multifunktionalität), ein dichtes Netz des öffentlichen Personennahverkehrs, Bürgerbus (Mobilität) und Barrierefreiheit (Zugänglichkeit).

Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung älterer Menschen in Arbeit, Politik und Gesellschaft sind dringend erforderlich. Sie müssen dafür sorgen, dass die Einladung an die wachsende Zahl älterer Bürger*innen, sich weiterhin am wirtschaftlichen und sozialen Leben zu beteiligen, glaubwürdig wird.

Die Chancen der einzelnen Person bis ins hohe Alter zur Selbstverwirklichung und zur eigenständigen Lebensgestaltung müssen verbessert werden.

Was tun?

  • Kommunen finanziell so ausstatten, dass sie ihren Aufgaben in vollem Umfang gerecht werden können
  • Leitbild für Stadt- und Gemeindeentwicklung „Ort der kurzen Wege“: Förderung der Mobilität durch gut ausgebauten fahrscheinlosen ÖPNV, Bürgerbusse
  • Lebensumfeld bedarfsgerecht gestalten, Barrierefreiheit auf allen Fußwegen
  • Ausleuchtung von Wegen zur Vermeidung von Angst, angepasste Mobilitätshilfen (technische Assistenzsysteme)
  • flächendeckend niedrigschwellige und bedarfsgerechte Nahversorgungsangebote, die eine selbständige Lebensführung im Alter unterstützen.
  • Wahlfreiheit beispielsweise zum Verbleib im gewohnten Wohnumfeld
  • bedarfsgerechter (barrierefreier) Bau und Ausbau von Wohnformen, die selbständiges Wohnen bei körperlichen Einschränkungen ermöglichen
  • Förderung von bezahlbaren Wohnprojekten für Senioren-Wohngemeinschaften und von Mehrgenerationenhäusern
  • passgenaue Bewegungs- und Rehabilitationsangebote
  • Unterstützung der zentralen Funktion des Hausarztes zur Verbesserung der Gesundheit (regelmäßige Kontrolle von Blutdruck, -fettwerten, -zucker, Risikofaktoren und pathologische Veränderungen frühzeitig erkennen und behandeln
  • Strukturell verankerte Förderung nachbarschaftlichen Engagements, Selbsthilfeorganisationen, des ehrenamtlichen Bereichs (Politik, Sport, Kultur u. v. a.)
  • institutionalisierte Ansprech- und Koordinationspersonen vor Ort wie z. B. durch Ombudspersonen in Wohnquartieren, was ein Schutz vor kriminellen Übergriffen und betrügerischen Machenschaften sein kann
  • Schaffung, Erhalt und Ausbau von intergenerationellen Projekten wie der „Taschengeld-Börse“
  • Erforderlich ist, die immer noch in unseren Köpfen und in der Öffentlichkeit lebendigen Bilder von herkömmlichen Lebenswegen und von einem einseitig negativ geprägten Altern zu verändern. Denn solche Bilder sind enorm einflussreich, wenn es um unsere Lebensplanung und um unsere Lebensentscheidungen geht. Sie prägen das, was sich Menschen zutrauen, und haben sehr starken Einfluss auf tatsächliche Leistungsfähigkeit und Lebenszufriedenheit, ja sogar auf die Lebensdauer selbst.