"Herten hat keinen Platz für Rassismus" - so titelt ein Schild zwischen Rathaus und VHS in Herten. Ein frommer Wunsch oder schon Realität?
Dieses Schild ist - seit dem es aufgestellt wurde - immer wieder Angriff von Sprayer-Attaken. Durch die ständigen Reinigungsmaßnahmen weist dieses Symbol für eine antirassistische Politik in Herten bereits deutliche Schäden auf. Bekommt auch das politische Bündnis gegen Rechts erste Risse?
Als langjähriger Einwohner Hertens fällt mir immer wieder auf, dass hier das Zusammenleben von vielen verschiedenen Kulturen vergleichsweise ohne große Probleme abläuft. Viele meiner Freunde haben Wurzeln in einem anderen Land, leben aber nicht nur in einem "Nebeneinander", sondern sogar in einem "Miteinander" mit anderen Hertener Einwohnern.
Das alles darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit Migrationshintergrund auch hier in Herten keine optimalen Bedingungen vorfinden und die Integration zwar gute Ansätze zeigt, jedoch noch längst nicht auf breiter Basis realisiert wurde.
Jüngst schürt besonders die Unabhängige Bürger Partei (UBP) um den Spitzenkandidaten Borsu Alinaghi die Angst vor dem Fremden. In Flugblättern werden ausländische - vor allem muslimische - Schüler als Gefahr für "unsere heimischen Kinder" dargestellt.
Muslimische Verbände sollen nach Ansicht der UBP "staatlich überwacht" werden. Als Oppositions- und Bürgerpartei bekommt die UBP so einigen Zuspruch und lässt so rechtes Gedankengut in die Köpfe der Hertenerinnen und Hertener einfließen.
Dies gilt es offenzulegen und dem entgegenzuwirken.
Fabian Lindemann
Anlässlich des 70 Jahrestages der Pogromnacht nahmen Mitglieder der Hertener LINKEN auf Einladung des VVN - BdA am 09.11.2008 an einer Gedenk- und Mahnveranstaltung in Scherlebeck teil.
Auf dem dortigen Zechengelände legten sie einen Kranz am Mahnmal "Sag Nein!" nieder.
Dieses Nein unterstrich Hans-Heinrich Holland, Kreisvorsitzender des VVN - BdA und Stadtverbandssprecher der Hertener LINKEN in seiner Gedenkrede und rief zudem zu mehr Zivilcourage auf. Man dürfe nicht weg schauen wenn Menschenrechte missachtet werden, so Holland.
Gregor Spohr von der Hertener Allgemeinen Zeitung
kommentiert die Gedenkveranstaltung in seinem Artikel
"Es wird nichts so leicht vergessen wie eine Schuld"
in der Ausgabe vom 15.11.2008 wie folgt:
"Es wird nichts so leicht vergessen, wie eine Schuld sagte meine Oma gerne. Vergessen und verdrängt. Gedenktage sind dazu da, dies zu verhindern. In einer Zeit, in der Neonazis wieder -wie am Wochenende in der Nachbarstadt Recklinghausen- durch die Straßen ziehen und "Juden raus" gröhlen, dürfen wir nicht wegschauen und zur Tagesordnung übergehen. "Wir müssen das Erinnern an den Holocaust als unser verpflichtendes Erbe anerkennen", mahnte Jürgen Rüttgers (CDU) am Sonntag im Landtag bei der Gedenkfeier an die Novemberpogrome von 1938.
Eine Verpflichtung, die nach wie vor in unserer Stadt fast ausschließlich der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN - BdA) überlassen wird.
So war es auch diesmal nur ein kleines Grüppchen mit Hans-Heinrich Holland an der Spitze, das auf dem Gelände der Zeche Scherlebeck am Mahnmal "Sag Nein" einen Kranz niederlegte.
Ansonsten: Drei Tage später ein Gedenkvortrag des Stadtarchivars Dr. Michael Hensle im Keller des Glashauses - das war´s. Beschämend!
Dabei wäre die 70. Wiederkehr der Pogromnacht ein guter Grund gewesen, die unbegreifliche Zurückhaltung der vergangenen Jahre aufzugeben und als Stadt mit einer großen, zentralen Veranstaltung Flagge zu zeigen.
Auch in Herten wurden in jener Nacht Geschäfte verwüstet.
Der stärkste Regen fängt mit Tropfen an
Die Stadt hat in den letzten Jahren - auch dank des Einsatzes von Hans-Heinrich Holland - einiges getan,
um die Geschichte der Judenverfolgung in Herten aufzuarbeiten und an die Opfer zu erinnern. Aber das reicht nicht. Das Nein zu Antisemitismuss, Ausländerfeindlichkeit und Diskriminierungen muss lauter werden.
Ach ja, und dann war da noch der Orangerie-Verein, der die Ruine im Schlosspark von Wildwuchs befreit hat.
Eine tolle Aktion auf dem langen Weg zum angestrebten Wiederaufbau. In diesem Fall hätte Oma Mut gemacht: Der stärkste Regen fängt mit Tropfen an."
Recht hat er, der Herr Spohr!